Dienstag, 10. Januar 2017

Winter

       Astrid (Le monde de Kitchi) schrieb über den Winter.

Das hat Erinnerungen in mir ausgelöst, an glückliche Kindheitszeiten.

Die Winter meiner Kindheit waren weiß und kalt, verlässlich. Meist schneite es Ende Oktober zum ersten Mal, Schnee war im Winter der Normalfall. Mal mehr, mal weniger. Meist mehr und 10 bis 15 Grad minus nach Silvester waren keine Seltenheit.


                                                                                  Ende der 60er Jahre im Garten

Der Ort meiner Kindheit liegt 516 m hoch am Rand des Erzgebirges. Schlittenfahren, Skilanglauf,
Abfahrtslauf, Schlittschuhlauf - ganz normal im Winter. Auch im Kindergarten und im Sportunterricht.



Die Straßen waren noch nicht gesalzen und taugten als Langlaufstrecke, ebenso die vielen Felder der Umgebung. Mütter gingen zu Fuß, die Kinder saßen im Schlitten mit Rückenlehne oder liefen auf Skiern nebenher.
Im Kindergarten, der genau gegenüber einem Skihang mit Lift lag, wagte man sich mit den größeren Kindern und Schlitten auf den Skihang.



In meinem Leichtsinn und voller Freude rodelte ich allein und so schnell wie der Wind. Konnte kaum mehr bremsen und kam dem Liftseil fast zu nahe... Die Erzieherin bekam leider den Schreck ihres Lebens... und meine Mutter mochte gar nicht glauben, was ich in ihrer Abwesenheit angestellt hatte. Meiner zukünftigen Freude am Schnee tat das Erlebnis keinen Abbruch.



Diesen schönen Überblick über das ganze Schneevergnügen gab es damals noch nicht. Die Abfahrtswiese (Mitte, dicke Pfeile) war später nicht so mein Ding, aber die Schlittenbahn.
Eine Naturrodelbahn (ganz rechts), die durch den Wald über einen vereisten Bach, oder alternativ vorbei an der alten Skisprungschanze, in den nächsten Ort hinunter führte, fast 2 km!
Ich hatte einen hölzernen Rennschlitten, mit einem gelb-roten Rautenkissen, der mich im Liegen ins Tal brachte. Zusammen mit Freundinnen und Geschwistern bin ich immer wieder ins Tal gerauscht.
Bis die Hosenbeine vom Schnee und Eis weiß gefroren waren, die Wangen rot leuchteten.
Praktisch war die Drahtseilbahn, die uns vom Tal mitsamt den Schlitten wieder hoch an den Start brachte ( gepunktete Linie auf dem Plan):


Unterwegs sahen wir an den Futterkrippen Rehe, für die wir im Herbst Eicheln und Kastanien gesammelt hatten. Und die Hosenbeine tauten auf.
Inzwischen sind die Fahrpreise so immens gestiegen, dass es sicher nicht mehr möglich ist, dass es ein Alltagsspass für Kinder ist.

                                                                                                                     so ähnlich sah es aus  Quelle


Eine andere feine Sache war eine Eisbahn im Wald. Normalerweise war sie ein Kurplatz mit einer Bühne (siehe Foto unten heute). Sie war während der Winterferien präpariert und wir sind fast 2 Wochen lang von morgens bis abends dort kostenlos Schlittschuh gelaufen ... war das schön.


Außerhalb dieser Ferien-Zeit stand uns mit mehr Aufwand am Sonntag die Eissporthalle in Chemnitz zur Verfügung, wo sonst Katarina Witt trainierte und montags abends die mit Flutlicht beleuchtete Eisschnelllaufbahn, auf der auch schon mal Weltmeisterschaften stattfanden... 

Auf Eis ist es wie im Wasser, alles ist leichter. 

10.000 m laufen mit der entsprechenden Musik war drin.

Gleitschuhe besaßen fast alle Schüler, damit war der Weg vom Schloß, wo die "Schulspeisung" untergebracht war, oder nach Hause gesichert. Schnee und Eis wurden richtig genutzt, gehörten praktisch zum Winterleben ohne Frage einfach dazu.
Ich staune selbst beim Schreiben, wie vielseitig die Bewegung an der frischen Luft damals war.
Ich glaube, ich war im Winter öfter draußen als im Sommer.


Dann zog ich kurz nach der Wende zum späteren Vater meiner Kinder ins Münsterland.

Schnee gibt es hier nur höchst selten,  grau und  naß ist es im Winter eher. Am Anfang hat mir das gefehlt hier, wie vieles andere auch. Dann gewöhnt man sich dran und weiß die Vorteile des gemäßigten Klimas zu schätzen.... und andere Vorteile natürlich auch.



Und doch begleitete mich die weiße Pracht weiter. In der Nacht vor der Geburt meines ersten Sohnes schneite es in dicken Flocken. Am Tag, als der jüngere Sohn sich ankündigte, war der Garten auch dick verschneit. Auf diesem Foto war der "Kleine" knapp 1,5 Jahre alt und führt eine Familientradition fort: Fährt seinen Teddy im Puppenschlitten meiner Mutter spazieren.

Ihr Onkel Arno hat ihn Anfang 1940 in Dresden selbst für seine Nichte gebaut.




Ich verlinke diesen Beitrag zu Astrid' s Winter-Sammlung und bedanke mich bei ihr für das Wecken schöner Erinnerungen!











Kommentare :

  1. Ich sitze hier mit Tränen der Rührung über diese Kindheitsgeschichte! Und dazu so schön bebildert und persönlich. Auch ich habe dir zu danken!
    Herzlichst
    Astrid

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  2. Ach du Liebe, danke. Ich dachte beim Schreiben, wie schön, dass ich es mal aufschreiben kann, dazu hast du mich inspiriert!

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  3. So schön, was in dir ausgelöst wurde und wie du davon erzählt hast... Soooooo viel Schnee hatten wir knapp hinterm Rand von Berlin natürlich nicht, aber immer genug zum Rodeln und Skifahren... Hach, und solche alten Bilder zu haben, ist auch wunderbar. Sollte auch mal wieder graben in alten Kisten ;-) Liebe Grüße Ghislana

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  4. Da kommt einem das Schöne des Winters wieder näher... - genauso stelle ich mir den Winter irgendwie auch vor. Bei uns im Schwabenland war es nicht so viel wie bei dir, aber dennoch habe ich auch viel Schnee, Iglu bauen, rodeln und sogar Skifahren auf einem Hügelchen hintern Haus im Kopf... - ich finde es schade für die Kids, dass es das nur noch so wenig gibt.
    Lg Marion

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  5. was für schöne kindheitsgeschichten!! eine freundin von mir ist auch im erzgebirge aufgewachsen und hat oft von den schneemassen erzählt und dass sie manchmal ihr haus nicht erreicht haben.
    das bild von dir als schneebewunderin mit dem hübschen bommelmützchen ist total niedlich!
    liebe grüße
    mano

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  6. wie schön von deiner kindheit zu lesen und deine bilder zu sehen * so sportlich bist du * in gedanken einige persönliche frühere winter erinnerungen darangemacht * so schön alle deine bilder die du uns zeigst ...der kleine schlitte mit dem kind... bringen so viel freunde und dazu passt es wundervoll zum heutige morgen, kalt und weiss draussen :)
    lieber gruss am montag*morgen

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  7. Das ist so schön zu lesen! Und die Fotos die Du zusammengestellt, hast, vielen Dank. Ich freu mich so, die Kindheitsgeschichten der andern zu lesen. Liebe Grüße, Eva

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