Freitag, 30. Oktober 2015

12tel Blick im Oktober 2015



Diesmal nur ein Bild.
Leise Sehnsucht nach vergangener Gartenfülle - nun ist alles bunt und alles Rote und Gelbe segelt langsam zu Boden...
Auch der Apfelbaum vorn hat sich verwandelt. Zurück in einen Säulenapfelbaum.
Es schien, als wäre er über die Jahre  zu einem Baum mit Krone geworden.
Das ist nicht seine Art, zu leben und Früchte zu tragen. Deshalb tat er das auch nicht mehr.
Ich bin gespannt, wie's  nächstes Jahr um ihn steht. Die Wunden sind verschlossen und die Sicht ist auch wieder frei... was aber nicht Sinn der Aktion war.

Bei Tabea versammeln sich die anderen schönen 12tel Blicke....


Samstag, 24. Oktober 2015

Ahorn-Glühen

Ich schaue immer wieder in den  Garten hinaus, viel zu kurz ist das glühende Glück.
Aber allein dafür lohnt es sich, Ahorn im Garten zu haben. Ich liebe es.





Es sind nur ein paar Tage, an denen er "glüht".
Ich glühe zufällig gerade auch, bin ziemlich heftig erkältet.




Wenn die ersten Blätter plötzlich trocken werden, dann dauert es nicht mehr lange und es ist vorbei mit der Pracht.




Auch immer wieder schön anzusehen: der Liebesperlenstrauch davor.




Die schönen lila Perlen bleiben nicht lange erhalten, die Stare und andere Gefiederte mögen sie sehr gerne.


Und sonst so: neben Husten und Unwohlsein habe ich gestern etwas sehr Schönes gefunden: drei 30 Jahre alte Briefe von meinem Großvater. Sehr liebevoll und zugewandt geschrieben.
In einem Schuhkarton, den ich eigentlich komplett ohne Anschauen wegwerfen wollte.... so nach dem Motto, was du Jahre nicht gebraucht hast.... entsorgen.

Jener Großvater, der den Karl Hans Janke aus dem letzten Post näher kannte.

Morgen jährt sich zum 29. Mal der Tag, an dem mein Opa für immer eingeschlafen ist...

Ich bin froh, dass ich diese Briefe gefunden habe. Danke, Opa!



Donnerstag, 15. Oktober 2015

Genie und Schizophrenie ?

Ferienzeit - Zeit für einen Besuch bei den Großeltern. Manchmal brauchen die nun älteren Leute etwas Pause und dann gehen wir selbst auf Entdeckungsreise. Wir befinden uns in diesem Fall auf Schloß Hubertusburg. Einst barockes Landschloss von August dem Starken im Leipziger Land,
 siehe auch hier.


Ich selbst kannte es in meiner Kindheit nur als psychiatrisches "Krankenhaus", als riesengroßes Areal mit vergitterten Fenstern, aus denen abends Schreie klangen, gruselig für uns Kinder.
Mein Großvater hat dort bis in die 70er Jahre als Pfleger gearbeitet. Wenn wir Oma und Opa besuchten, dann begegneten wir diesen Menschen manchmal, sie mochten meinen Opa.
Etwa 800 Patienten (betreut von nur 4 Ärzten!) waren dort damals mehr oder weniger freiwillig dort "untergebracht", bei vielen würde "verwahrt" oder "eingesperrt" leider besser passen. Die Psychiatrie in der DDR ist ein eigenes Thema und wurde natürlich vom Regime auch missbraucht, um "lästige" Personen von der Bildfläche wegzubekommen.



Einer dieser Menschen war Karl Hans Janke. Ich habe hier schon einmal über ihn berichtet.
Mein Großvater kannte ihn als höflichen, kultivierten und kreativen Menschen.
Im Schloß gibt es nun eine dauerhafte Ausstellung über ihn, der fast 40 Jahre seines Lebens, bis zu seinem Tod 1988, in den Anstalten im Schloß Hubertusburg im Leipziger Land zubringen musste.



Die Eingangstür öffnet sich, wenn man die Klinke nach oben drückt.

Wer Interesse hat, kann sich in einem kleinen Raum, in dem man unweigerlich die Enge und den Geruch der DDR spürt, einen 45 -minütigen Film anschauen. Karl Hans Janke sitzt beim Anschauen der Dokumentation über ihn und seine Forschungs- und Kunstprojekte praktisch mit am Tisch. Ärzte und Schwestern kommen zu Wort....  ich weiß gar nicht, was ich sagen soll, es fühlte sich ähnlich bedrückend wie Stasi an, die Macht, Menschen aus dem normalen Alltag zu verbannen, neben wirklich psychisch Kranken und unpassenderweise auch vielen geistig behinderten Menschen (die in einem anderen Umfeld viel besser aufgehoben gewesen wären) "unterzubringen", die unliebsamen, politisch störenden...
Er bezeichnet sich als weichen, empfindsamen Menschen. Als Einzelkind, geb. 1909, bei vermögenden Eltern in Kolberg/Pommern aufgewachsen, machte er sein Abitur und begann 1932 sein Studium der Zahnmedizin in Greifswald. Schon nach dem ersten Semester spürte er, dass er beim Sezieren Schwierigkeiten bekam. Er belegte stattdessen Abendkurse an der TU in Berlin und wird bald auch zum 2.Weltkrieg eingezogen. 1943 wird er nach psychischen Störungen aus der Wehrmacht und dem Lazarett entlassen. Er zieht sich aufs elterliche Gut zurück und entwirft Flugzeugtypen und baut Modelle dazu.


1945 stirbt sein Vater und er muss mit der Mutter aus Pommern nach Sachsen fliehen... Welcher sensible Mensch würde da nicht psychisch leiden? Sicher aber auch robustere Zeitgenossen.




Die Mutter verstirbt 1948 und Janke kann sich ohne die gemeinsamen Bezugsscheine nicht mehr über Wasser halten, beginnt zu verwahrlosen und kann nicht mehr seine "kleinen Dinge des täglichen Bedarfs" herstellen und verkaufen, da ihm die Bezugsscheine für Papier und Pappe fehlen. Er rebelliert dagegen in einem Schaukasten.  "Spielzeuge können nicht mehr gefertigt werden, weil das Material für Kanonen gebraucht wird..." Das wird zum Anlass genommen, ihn zu verhaften.
Das Sozialamt und der Amtsarzt weisen ihn bald in eine psychiatrische Landesanstalt ein. Das "erspart" ihm das Arbeitslager.
Diagnose: Schizophrenie.
So beginnt seine Psychiatrie-Karriere. Die bis zum seinem Tod in 40 Jahren dauern wird.
Ein Langzeit-Psychiatriepatient wurde damals bald wohnungslos und konnte in Folge dessen auch nicht mehr entlassen werden, er hatte ja keine Heimatadresse. Teufelskreis.
Er richtet sich nach vielen Versuchen, entlassen zu werden, in dieses Leben ein und beschäftigt sich mit Zeichnungen und Erfindungen. Man wird 2007 erst bemerken, dass er bereits 1939 ein Patent anmeldete, das 1943 erteilt wurde: ein Vorläufer des modernen Navigationsgerätes und ein Flugzeug.



Ich maße mir nicht an, darüber zu urteilen, wie krank er wirklich war. Heute würde man sagen, dass ein Mensch wie Karl Hans Janke in einer Wohngruppe besser und ausreichend untergebracht wäre.
Seine Höflichkeit sicherte ihm gute Beziehungen zu den Handwerkern der Anstalt, die ihn immer wieder mit Materialresten versorgen konnten.
So saß er stundenlang und versank in seine eigene Welt. Zeichnete, konstruierte und baute Modelle.
Was ihm zur Diagnose "Schizophrenie und Größenwahn" das Symptom "Wahnhaftes Erfinden" einbrachte.


Zwei jeweils etwa 100 zeitige Bücher liegen aus, in denen Janke seine Sicht auf die Entstehung der Welt festgehalten hat.



      Spannend, nicht?






Karl Hans Janke hat sich viel mit dem Thema "Energie" beschäftigt.




Er führte einen regen Briefverkehr mit Behörden, Forschungseinrichtungen und dem Patentamt. Wenn die Klinik den Absendern aber mitteilte, dass Janke Psychiatriepatient ist, erlosch das Interesse jäh. Er dokumentierte und schrieb sehr gerne. Unter anderem auch Liebesbriefe an eine Mitpatientin, Christine...  die er bei den zweimal im Jahr stattfindenden Tanzabenden kennengelernt hatte.



Ich fand es faszinierend, was ein Mensch in so einer Umgebung erschaffen kann. Er mag eine Ausnahme sein... doch immer wieder ist Kunst von Psychiatriepatienten im Fokus der Aufmerksamkeit. Vielleicht hat ihn diese Tätigkeit, dieses Entwickeln und Gestalten, im Rahmen seiner Möglichkeiten, am Leben gehalten und nicht verzweifeln lassen. Er erschuf und erfand sich seine eigene Welt.
Viele seiner Modelle wurden zu seinen Lebzeiten vernichtet, mit Hinblick auf den Brandschutz.
Es wäre zu gefährlich, sie aufzubewahren. Die restliche Sammlung verstauten die Hausmeister im Zuge dessen an einem sicheren Ort, einem leeren Raum im obersten Geschoß. Gefunden und gewürdigt wurde diese Sammlung knapp 20 Jahre nach dem Tod Jankes, als die damalige Chefärztin die Leitung des Hauses an ihren Nachfolger übergab. Seitdem gab es immer wieder Ausstellungen seines Werkes an verschiedenen Orten, u.a. auf der documenta.
Wenn man die Ausstellung verlässt, wird einem die vergangene Trostlosigkeit dieses Ortes noch einmal unabsichtlich vor Augen geführt:



                     Die großen Nebengebäude des Schlosses sind nun schön restauriert.




Puh, das war heftig...




Wir reisen an einen anderen Ort meiner Kindheit weiter, meinen früheren Wohnort Augustusburg, wo ebenfalls ein Schloß August's des Starken steht. Das hier ist es nicht, "nur" ein schön anzusehendes Wohnhaus.




Ein Besuch in einem alteingesessenen Café und der Gang zum Grab meiner kürzlich verstorbenen Patentante.
Der Gang über den Friedhof meiner Heimatstadt hat mich  sehr an meine Kindheit erinnert, mehr als ich vermutet hatte. Ich war schon viele Jahre nicht mehr dort. Inzwischen liegen da einige Lehrer von mir und andere Menschen, die ich kannte.



Ein Tag, der ganz schön zum Nachdenken und Erinnern angeregt hat.









Sonntag, 4. Oktober 2015

Wildpferde im Merfelder Bruch

So ein schöner Herbstsonntag wie heute eignet sich vorzüglich, um einige Punkte auf der Ausflugswunschliste abzuhaken:  ein Besuch bei der Wildpferdeherde bei Dülmen und der Herbstbesuch auf meinem Lieblings-Wasserschloß Burg Vischering in Lüdinghausen.
Liegt ja auf einer Strecke.

Im Merfelder Bruch waren wir zuletzt, als die Kinder noch klein waren - es wurde allerhöchste Zeit, wiederzukommen. Diesmal wollte nur das jüngste "Kind" mit und wir schwelgten in Playmobil-Erinnerungen. Sein liebstes Spielzeug war ein Pferdeanhänger... die sieht man auf unseren Straßen hier im Kreis Warendorf (Olympiastützpunkt der Reiter) ja häufig.

Der Merfelder Bruch liegt im westlichen Münsterland nahe der Stadt Dülmen (NRW).


Diese Herde wilder Pferde wurde das erste Mal im Jahr 1316 urkundlich erwähnt. Seit Mitte des 19.Jh.. bewohnen sie ein rund 400 ha großes Reservat, das die Familie Herzog von Croy geschaffen hat. Das Gebiet ist recht abgelegen, man erreicht es praktisch auf einer Waldlichtung weitab von der Zivilisation.


Es umfasst Heideflächen, Moor, Nadelwälder und Eichenbestände und bietet ein abwechslungsreiches Nahrungsangebot. Lediglich im Winter werden die Tiere mit Heu versorgt.
Die etwa 400 Tiere sind sich selbst überlassen und sind sowohl an das Nahrungsangebot als auch an die Witterung angepasst. Schutz finden sie in den Wäldern.


Das Dülmener Wildpferd ist ein "Primitivpferd", primitiv im Sinne von "ursprünglich". Sein Lebensraum hier ist Naturschutzgebiet, das als oberstes Ziel die Arterhaltung des Dülmener Wildpferdes hat. Nur die an den Lebensraum angepassten Individuen können sich durchsetzen und ihre Gene weitergeben.


Es gibt keinen Tierarzt, der sich um die Tiere kümmert, die natürliche Selektion hat diese Herde  eine gesunde und widerstandsfähige Population bleiben lassen, die sich instinktgemäß verhalten kann.


Die Umgebung und die Bedingungen bleiben unverändert, damit das ursprüngliche Erbgut des Dülmener Wildpferdes erhalten bleibt


Die einjährigen Hengste, die im Frühling geschlechtsreif werden, werden zur Vermeidung von Rivalitäten unter den Hengsten jeweils am letzten Samstag im Mai von Hand gefangen und versteigert.


Sie gewöhnen sich schnell an den Menschen, sind klug, gutmütig, gelassen und genügsam.
Spannend, was solche Bedingungen bewirken!





                                  Fressen, baden, in der Sonne dösen - ein perfekter Tag!





     Zurück gehts wieder Richtung Wald...


Ein richtig schöner, warmer Herbsttag.


Und weiter zum nächsten Ziel: Burg Vischering.


Burggraben








Immer wieder schön! Und auch immer wieder lecker: das Brot vom Holzofenbäcker, das man in der alten Backstube kaufen kann.






Samstag, 3. Oktober 2015

Im Naturhistorischen Museum in Wien

Wenn man mit einem 15-Jährigen auf Reisen ist, dann muss man Kompromisse schließen, damit keiner die Lust verliert und jeder zu seinem Recht kommt.
Dieser Kompromiss hier stellte sich als ein wahrer Glücksgriff heraus:

Das Naturhistorische Museum in Wien.




Genau gegenüber der spiegelgleiche Zwilling, das Kunsthistorische Museum.




Ich bin ja froh, dass mein Sohn sich für Natur und Geschichte interessiert, deshalb: nichts wie rein!




                                   Der Aufgang prächtig, die Deckenkuppel wunderschön:




Das Museum gibt es seit 1876 und wurde gebaut, weil die kaiserlichen Sammlungen von Naturalien aus aller Welt nicht mehr in der Hofburg unterzubringen waren. Es beherbergt heute etwa 30 Millionen (!) Sammlungsobjekte und ist damit eines der größten und bedeutendsten Naturmuseen der Welt.



Allein die Mineraliensammlung umfasst mehrere Säle. Untergebracht sind die Exponate in alten Holzvitrinen.




Es ist bei vielen Exponaten sogar ausdrücklich erwünscht, sich durch Berührung einen eigenen Eindruck zu verschaffen, hier: polierte Ammoniten, 200 Millionen Jahre alt.




Überall lauern wilde Tiere, Meteoriten, Skelette....




 dies hier von einem irischen Riesenhirsch aus dem Pleistozän, 400 000 bis 500 000 Jahre vor Christus:




Genau gezeigt werden im Museum auch verschiedene Arten und die Geschichte des Präparierens von Tierkörpern.



Am Beispiel dieser Fuchsköpfe zeigte man anschaulich die Wirkung der eingesetzten Glasaugen und kann raten, welches die echten sind... links schwarze "Knopf"augen, 2.v.l.: Menschenaugen, 2.v.r. Fuchsaugen....



                                                            Der Dodo himself.




                                             Ich hatte gedacht, dies sei ein Fabelwesen ?




                                                 Rekonstruktion eines Mammutbabys.




                                     Unbekleidete Besucher aus früheren Zeiten...




                   Menschheitsgeschichte und Geschichte der Erde und ihrer Bewohner.




Das Haus beeindruckt auch aufgrund seiner prächtigen Ausstattung und Architektur.
In Wien gibt es unzähliger solcher riesigen, weitläufiger Bauten, es ist unglaublich und man braucht
wirklich viele Tage, um einiges davon einigermaßen zu erfassen.




In der oberen Etage angekommen, kann man praktisch alle Tiere dieser Erde in ausgestopfter Form erleben, wie sie in keinem Zoo so vorkommen...




 Wieder in diesen altmodischen Holzvitrinen, die aber einen ganz besonderen Charme haben...




                                                                 Oder auch "frei".




                          Nicht minder faszinierend: Glasfenster gemustert aus der Natur.




Für meinen Sohn und mich war sehr faszinierend dort und man braucht Geduld und Zeit und Interesse, um vieles, was dort gezeigt und beschrieben wird, zu erfassen. Die berühmte Venus von Willendorf "wohnt" hier übrigens auch. Klare Empfehlung für alle Interessierten Wien-Fahrer.




Zeit für eine kleine Stärkung, bevor es zum Naschmarkt weitergeht...